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Posted by bos in Games

Ich glaube nicht an Godus.

Oder um es anders zu formulieren, ich verstehe Godus nicht. Klar, das Spiel ist noch in diesem Early Access-status, eine allseits beliebte Ausrede um halbgaren Scheiß an gutgläubige Fanboys zu verticken. Aber das Grundprinzip des Spiels ist doch schon klar erkennbar und ich sehe nicht, wie eine noch so ausgiebige Erweiterung zur utopischen „Gold-version“ hier noch etwas grundlegend verändern soll. Daher lasse ich hier einfach mal einen vorzeitigen Meinungserguss vom Stapel.

Es war einmal Peter Molyneux. Er hatte mit seiner legendären Firma Bullfrog viele tolle Spiele gemacht, etwa das sagenhafte „Populous“, das berüchtigte „Syndicate“, das herrlich schräge „Dungeon Keeper“ und auch das zu Unrecht nicht ganz so bekannte „Magic Carpet“. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass Peter Molyneux ein durchaus kreativer und einfallsreicher Franzose war. Möglicherweise hatte sich Molyneux aber ein bissl zu sehr auf diesem Ruf als Kreativpapst ausgeruht. Seine späteren Kreationen waren denn auch bisweilen mehr oder weniger laue Aufgüsse seines Ur-hits Populous. Black&White etwa lockte Neugierige mit der Kontrolle über ein Götterviech, also einen Affen eine Kuh, einen Tiger o. ä. Abgesehen davon, dass man diese Götterviecher herrlich verdreschen konnte, gab es aber außer dem üblichen Aufbaugedöns nicht wirklich was spannendes zu tun (Und selbst das war eigentlich auch nicht unbedingt originell, schließlich war das Verdreschen eigener Kreaturen durch die virtuelle Hand Gottes bereits integraler Bestandteil von Dungeon Keeper).

Dann kam die ganze Sache mit Kickstarter ins Rollen, alternative Indiespiele rollten den Gamesmarkt auf und versprachen neue originelle Konzepte zu verwirklichen. Peter Molyneux sprang auf diesen Zug der Kreativität auf und genial wie er war machte er etwas zutiefst originelles: er versuchte sich mal wieder an einer Neuauflage von Populous. Klar, warum nicht, mochten sich viele gedacht haben. Lange kein Gottspiel mehr gespielt. Sicher, da gab es das durchaus ansehnliche „From Dust“, das mit seiner Physikengine vor allem die Freude an der Manipulation der Naturgewalten bediente. Aber egal, Molyneux beschloss, dass es an der Zeit sei, die Welt durch einen erneuten Aufguss zu beglücken. Und so kreierte er Godus.

In Godus geht es darum, eine Welt zu modellieren, in der Gläubige herumwuseln und Hütten bauen. That’s it. Klar, irgendwann trifft man dabei auf ne andersfarbige Zivilisation, die dann eben durch die eigene Gläubigerschaft zur anderen Farbe bekehrt wird. Man kann dabei sogar mal Feuer legen oder einen Berg bauen. Aber eigentlich läuft der Glaubenskrieg ziemlich von selbst ab. Man schaut halt zu und freut sich daran, dass das eigene Volk „Glauben“ kreiert. Damit man dabei nicht einschläft, muss man mit der Maus immer mal durch die Gegend klicken, etwa um Boni aus den Bergen zu sammeln, oder den Glauben der Bevölkerung aus den Hütten zu ernten. Dieses und andere Minispielchen lenken davon ab, dass das Grundprinzip des Spiels eigentlich saulangweilig ist. Es sind keine schnellen Reaktionen erforderlich, weder Strategie noch Taktik, überhaupt scheint der Ablauf des Spiels doch ziemlich vorgegeben zu sein. Nicht mal die Tatsache, dass man dabei eine Landschaft modellieren kann, scheint eine wesentliche Rolle zu spielen, letztlich siedeln die Zweibeiner ja bevorzugt dort, wo man eintönige funktionale Flächen planiert. Le Corbusier lässt grüßen. Natürlich käme Molyneux nie auf die Idee endlich mal zuzugeben, dass das größte Problem mit dem Gottspielgenre einfach darin besteht, dass es furchtbar eintönig ist und sich prinzipiell kaum von den tausend idiotischen Zyngaspielen unterscheidet, die irgendwelchen Facebookidioten täglich millionenweise das Geld aus der Tasche ziehen. Nein, wenn der große Molyneux so etwas macht, dann ist das „Zen“. Ich zitiere hier einfach mal aus einer aktuellen gamespot review:

„Belief, for example, doesn’t automatically go from your followers‘ houses to your pool; instead, you must collect it from each individual house. That probably sounds annoying, and indeed it was before a recent update. Now with a click and drag of the mouse, you can trace over homes and collect your tributes, with a soothing chime punctuating the process. It reminded me of gathering fruit or flowers from a garden, and while the idea that humans are basically plants to be cultivated by a supreme being is an odd one, it really does feel special.“

Woohooo, does it now? In einem Begleitvideo kann man sich dieses seelenerfrischende Spielchen genauer ansehen. Der „soothing chime“ geht bereits nach zwei Sekunden zuschauen tierisch auf die Nerven. Im selben Video kann man auch gleich einen Blick auf die revolutionär langweilige Erkundungsfahrt der Gläubigen zur See ansehen: 20 Leute ins Schiff, auf dem Weg jeweils fünf pro zu entdeckendem Tempel auf jeweils einer Insel abladen, fertig ist Magellans Forschungsreise. *Gähn*. Selten waren Spiele fordernder, haben knifflige Aufgaben gestellt und das Gewinnen zu einem belohnenden Erlebnis gemacht.Da ist es irgendwie nur konsequent, dass der Sprecher des ersten „lets play-„videos das ich zu godus finden konnte, sich gleich mal anhört, als wäre Bob Ross von den Toten auferstanden.

Wie gesagt, ich verstehe dieses Spiel nicht. Es sieht ja ganz nett aus, aber sind Spiele nicht eigentlich dazu da, uns herauszufordern, die Kreativität anzuregen oder Geschichten zu erzählen? Godus macht offenbar nichts von alledem, es dongelt nur einfach vor sich hin. Vielleicht ist es der Existentialist in mir, der mir das Gefühl gibt, dass dieses Spiel komplett sinnlos ist. Der Kapitalist in mir hingegen äußert den starken Verdacht, dass hier einer eine komplett ausgedörrte Cashkuh melken will indem er sie auf die Kickstarterweide schickt. Was diese Kuh hingegen bräuchte, wäre ein Tritt in den Allerwertesten. Lass Dir mal was neues einfallen, Peter!

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