Cyberpunk Jam 2014

Wenn es ein Genre gibt, das im Computerspiel bisweilen sträflich vernachlässigt wird, dann ist es Cyberpunk. Vor einiger Zeit gab es ja nach einem ziemlich coolen Trailer die große Hoffnung auf Cyberpunk 2077 , ein RPG von CDProjekt, den Machern von “The Witcher”, die allerdings seit Jahren ihren Entwicklungsblog nicht mehr geupdated haben. Nach derzeitigem Stand ist es also zweifelhaft ob es das Spiel vor 2077 überhaupt geben wird – die einzige Hoffnung, die man in der Hinsicht noch haben darf ist jedenfalls eine Schocktherapie zur Wiederbelebung nach der Veröffentlichung von “The Witcher 3”. Mal sehen.

Klar, mit Shadowrun Returns ist bereits vor einiger Zeit ein Kickstarter-finanzierter Titel erschienen, der sogar ganz schick aussieht. Das Teil spielt sich nur leider extrem dröge. Ich habs jedenfalls nicht bis zum Ende durchgehalten und das passiert mir wirklich selten. Sehr schade, aber andererseits fand ich Shadowrun ohnehin schon immer eher ziemlich behämmert. Sind Hacker und Megacorporations, Sprawls und Endzeiteinöden denn noch nicht genug? Muss man da unbedingt auch Orks, Elfen, Zwerge und Drachen aufmarschieren lassen? Es gibt einfach Dinge die sind unnötig. Steak mit Erdbeereis zum Beispiel. Oder eben Shadowrun. Immerhin gibt es seit kurzem einen DLC für Shadowrun Returns, der spielt in Berlin und soll zumindest storytechnisch wesentlich besser sein als das Hauptspiel. Trotzdem, nicht mein Fall.

Deus Ex war natürlich möglicherweise das beste was jemals für den Computer erschienen ist, allerdings fand ich sämtliche Nachfolger seit nunmehr auch schon wieder 14 Jahren auch nicht wirklich befriedigend. Human Revolution geht das Thema inhaltlich zwar gut an, aber das Spiel selbst ist auch ziemlich langweilig. Es wäre eine Diskussion für sich, warum der Titel nicht so zieht wie das Original.

Umso feiner, dass sich mit dem Cyberpunk Jam mal wieder  jemand kreativ dem Genre widmet. Seit heute können bis zum 24. März alle möglichen Cyberpunk Spiele auf eine spezielle Jam-Sektion des Hosters Itch.io hochgeladen werden, wo man sie dann auch gleich gratis spielen kann. Da die Spiele alle extra für diesen Jam programmiert wurden, sind sie entsprechend unaufwändig, so ist das bei Jams dieser Art. Dennoch sind ein paar richtig nette Einreichungen dabei wie etwa der Window-Cleaner, in dem man einen Fensterputzer spielt, der das Hochhaus einer Megacorporation putzen muss, woran ihn haufenweise “verdächtige Elemente” hindern. Lustige Idee. Kreative Ideen gibts ja offenbar einige. In zwölf Tagen werden wir sehen, ob die ausreichen um frisches Wind in den Cyberpunk zu bringen.

Denn seien wir ehrlich, die Grundideen von Netzmacht und durchgedrehtem Kapitalismus sind nicht mehr wirklich die Zukunftsmusik die sie in den 80ern waren. Unsere Städte sind zwar nicht so herrlich düster und gotisch wie im guten alten Blade Runner, aber Verschwörungstheorien von Regierungseinrichtungen die unser Leben via gehackter Technologie ausspionieren und manipulieren sind nun wirklich keine Fiktion mehr. Vielleicht ist Cyberpunk auch tot. Wäre aber schade drum.